Silesian Folk Belief

Die Ente auf goldenen Eiern

Ludwig Grabiński, Die Sagen, der Aberglaube und abergläubische Sitten in Schlesien. Mit einem Anhang über Prophezeihungen. Schweidnitz: Brieger & Gilbers, [1886], p. 19.

Original

Die Ente auf goldenen Eiern.

An der Nordseite des kleinen Städtchens Toft in Oberschlesien liegt auf einer Anhöhe, die nach der Nordseite zu steil abfällt, eine alte Burgruine. Am Eingange, der in das Hofinnere führt, sieht man oben über dem Portal die Zahl 1666, welche auf die Entstehung der Burg oder auf irgend welche wichtige Veränderungen derselben Bezug haben mag. Die Mauern der Burg sind zum Theil noch gut erhalten, zum Theil sind dieselben zusammengestürzt und bilden Schutthaufen. Die ganze Burg soll unterminirt sein, und daher ist dem Besucher beim Betreten derselben die größte Vorsicht anzuempfehlen.

Rechts vom Portal befindet sich in der Erde eine Oeffnung, in welche man bequem eintreten kann. Die Oeffnung, der Eingang zu einem unterirdischen Gang, ist so groß, daß ein Mann in derselben aufrecht zu gehen im Stande ist. Der unterirdische Gang zieht sich fast eine halbe Meile weit und diente dem ehemaligen Besitzer der Burg, einem Raubritter, sowie dessen Knechten als Zufluchtsort in der Gefahr und als sicherer Versteck für die geraubten Waaren. In neuerer Zeit hat den unterirdischen Gang wohl noch Niemand betreten, obwohl in diesem sich ein herrenloser Schatz befindet. Es soll sich nämlich in jenem Gang, gerade in dessen Mitte, ein unterirdischer See befinden, auf dem eine Ente auf goldenen Eiern sitzt. Wer den Schatz, die goldenen Enteneier, holen will, der muß, ehe er den Gang beschreitet, drei Messen lesen lassen, und ist er an dem See angelangt, so muß er denselben drei Mal der Länge nach durchschwimmen (jedoch nicht in einem Kahne) und dann sofort an das Herausnehmen der Eier schreiten, was ohne Schwierigkeiten bewerkstelligt werden kann.

Translation

The Duck Sitting on Golden Eggs.

On the north side of the little town of Toft in Upper Silesia, on a rise that falls off steeply toward the north, lies an old castle ruin. At the entrance leading into the inner courtyard, one can see above the gateway the number 1666, which may refer to the founding of the castle or to some important alteration made to it. The walls of the castle are in part still well preserved, in part they have collapsed and now form heaps of rubble. The whole castle is said to be undermined, and visitors are therefore strongly advised to exercise the greatest caution when entering it.

To the right of the gateway there is an opening in the ground, which one can enter with ease. The opening, the entrance to an underground passage, is large enough for a man to walk upright inside it. The underground passage extends nearly half a mile and served the former owner of the castle, a robber knight, as well as his men-at-arms, as a refuge in times of danger and as a secure hiding place for stolen goods. In more recent times, it seems, no one has entered the underground passage, although it is said to contain an ownerless treasure. For it is said that, right in the middle of that passage, there lies an underground lake, on which a duck sits upon golden eggs. Whoever wishes to fetch the treasure, the duck's golden eggs, must, before setting foot in the passage, have three Masses read, and once he has reached the lake, he must swim its length three times (though not in a boat), and then set at once about taking out the eggs, which can be accomplished without any difficulty.

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