Silesian Folk Belief

Die schöne Melusine und ihre zwei Schwestern

Richard Kühnau, Schlesische Sagen II: Elben-, Dämonen- und Teufelsagen, Schlesiens volkstümliche Überlieferungen. Sammlungen und Studien der Schlesischen Gesellschaft für Volkskunde, ed. Theodor Siebs, vol. IV. B. G. Teubner, Leipzig 1911, no. 1184, pp. 542–543 (section "Der Wind"). — Polnisch-Oberschlesien.

Original

1184. Die ſchöne Meluſine und ihre zwei Schweſtern.
Polniſch-Oberſchleſien.

„Ein aus Oberſchleſien ſtammender Kollege teilte mir über Meluſine folgendes mit: In Oberſchleſien wird der Name der Meluſine nicht gerade ſelten erwähnt. Beſonders wenn ein heftiger Wind die Gebäude umbrauſte und durch Löcher und Ritzen heulte und pfiff, erzählte man uns ängſtlich aufhorchenden Kindern, daß die ſchöne Meluſine in ſo laute Klagen ausbreche¹), weil ihre Kinder hungerten und ſie nichts hätte, womit ſie ſie ſättigen könne. Man ſolle daher Mehl und auch wohl Brot auf das äußere Fenſtergeſims hinlegen, die Meluſine würde ſich das ſchon holen. Auch zwei Schweſtern beſaß Meluſine, von denen die eine Subella hieß. Der Name der andern iſt mir entfallen. Dieſe Subella näht ſeit Anfang der Zeiten ein Hemd, kann aber damit nicht fertig werden. Ich erinnere mich, daß man zu jemandem, der mit einer Näharbeit nicht gleich fertig werden konnte, zu ſagen pflegte: Du machſt es gerade ſo wie die Subella! Die dritte Schweſter ſoll beſtändig geſponnen haben.“

Handſchriftl. von O. Knoop in Rogaſen.

Über die Subella vgl. die Hemdnäherinnen in Schleſiſche Sagen I. S. 555 f.

Translation

1184. The Fair Melusine and Her Two Sisters.
Polish Upper Silesia.

"A colleague from Upper Silesia told me the following about Melusine: In Upper Silesia the name of Melusine is by no means rarely mentioned. Especially when a fierce wind swept round the buildings and howled and whistled through holes and cracks, we children, listening in fright, were told that the fair Melusine was breaking into such loud wailing¹) because her children were hungry and she had nothing to feed them with. One should therefore lay flour, and bread too, on the outer windowsill, and Melusine would come and fetch it. Melusine also had two sisters, one of whom was called Subella. The name of the other has escaped me. This Subella has been sewing a shirt since the beginning of time but can never finish it. I remember that when someone could not finish a piece of sewing right away, people used to say to them: you're going about it just like Subella! The third sister is said to have spun without ceasing."

In manuscript from O. Knoop in Rogasen.

On Subella, compare the shirt-sewing women in Schlesische Sagen I, p. 555 f.

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